Die Dosha-Lehre des Ayurveda

Der menschliche Körper ist in einer ständigen inneren Bewegung und Erneuerung. In seinen 100 Billionen Zellen findet in jeder Sekunde eine Quadrilliarde chemischer Reaktionen statt. Ungeachtet der vielen Belastungen, die dieses innere Gleichgewicht täglich gefährden, ist der menschliche Organismus in der Lage, seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Der Ayurveda beschreibt drei Kräfte, die Doshas, die diese Dynamik von Körper und Geist steuern. Wir finden diese drei Grundkräfte in der gesamten Natur. Gesundheit ist Gleichgewicht und Harmonie der drei Doshas; geraten sie aus dem Gleichgewicht entstehen Krankheiten.

Alles hat einen Einfluss auf diese Doshas: die Jahreszeiten, das Wetter, unser Lebensalter, unser Verhalten und Beruf, und selbst wenn wir nichts tun, beeinflusst dies die Doshas. Wir können dem nicht entgehen. Wir sind wie eine Nussschale auf den Wellen des großen Ozeans. Das Wissen, wie wir diese Einflüsse ausgleichen und miteinander in Harmonie bringen können, hilft uns, den Stürmen des Lebens zu widerstehen.

Die Doshas heißen Vata, Pitta und Kapha. Vata ist das Bewegungsprinzip, es steht aber auch für Trockenheit und Kälte. Überall wo wir in der Natur diese Qualitäten finden, werden diese vom Vata-Dosha gesteuert. Bewegung wird hier allerdings im erweiterten Sinn verstanden: Denken ist Bewegung im Geist; Verdauung ist Bewegung im Darm, und der Wind ist Bewegung der Atmosphäre. Die Herbststürme sind ein Ausdruck von erhöhtem Vata in der Natur.

Pitta ist das Hitze- und Wärmeprinzip. Die Stoffwechselvorgänge fallen darunter, aber auch Hitze im Geist in Form von Zorn und Ärger. Im Sommer ist Pitta besonders stark ausgeprägt.

Kapha ist das Struktur-, Festigkeits- und Trägheitsprinzip. Die Materie an sich ist Kapha. Unser Körpergewicht wird von Kapha bestimmt. Kapha ist aber auch Wachstum und Zunahme. Wachstum während Kindheit und Jugend sind Kapha oder die Zunahme an Körpergewicht. Das Erwachen der Natur im Frühjahr fällt ebenfalls darunter.

Das dynamische Gleichgewicht

Alle Vorgänge und Strukturen können diesen drei Prinzipien zugeordnet werden. Sie befinden sich in einem dynamischen Gleichgewicht und verändern sich ständig. Auch beeinflussen sie sich gegenseitig. Zwar besitzen wir von Geburt aus eine Grundkonstitution (Prakriti), in der die Verteilung der drei Doshas in unserem Körper und Geist festgelegt ist. Diese Grundkonstitution wird aber im Laufe des Lebens überlagert, z. B. durch unsere Aktivität, die Jahres- oder Tageszeiten, unser Essen oder unser Verhalten. Das wäre im Prinzip nicht tragisch, wenn nicht die Ansammlung der Doshas die Krankheitsursache darstellen würde. Am Anfang äußert sich ein Zuviel eines Dosha erst einmal als leichte Störung unseres Wohlbefindens – vielleicht sind wir ärgerlich oder nervös oder haben nur eine trockene Haut, Einschlafprobleme oder Verdauungsstörungen. Aber genau dies sind die ersten Anzeichen von einem Ungleichgewicht. Meist übersehen wir diese Warnsignale, statt auf sie zu hören und sie auszugleichen. Wir wundern uns dann sehr, dass wir plötzlich ernsthaften Krankheiten gegenüber stehen.

Aus der Praxis

Der Ayurveda beschreibt ausführlich den Werdegang von Krankheiten und wie sie von den Doshas verursacht werden. Insgesamt entstehen Krankheiten in sieben Stufen, von denen allerdings nur die letzten drei im Sinne moderner Medizin als Krankheiten bezeichnet werden.

Über Ayurveda haben wir alle viel gehört und gelesen. Überall wird von Konstitutionstypen gesprochen und wie diese bestimmt werden. Es gibt jedoch nur ganz wenige erfahrene Ärzte, die in der Lage sind, die im Verborgenen liegende Grundkonstitution herauszufinden. Außerdem ist es für uns viel wichtiger zu erfahren, welche Doshas gerade in uns überhand nehmen und mit welchen Maßnahmen wir sie wieder ausgleichen können.

Zum Beispiel: Stress, Zeitdruck und Reisen erhöht das Vata Dosha. Aber auch blähende Gemüse oder ein unregelmäßiger Lebenswandel vermehren Vata. Als Gegenmaßnahme ist in diesem Fall Ruhe das allerbeste Mittel – Transzendentale Meditation. Yogaübungen und Regelmäßigkeit eignen sich aber auch. Wärme ist ebenfalls hilfreich, besonders eine Massage mit warmem Sesamöl, die inzwischen durch die Medien berühmt geworden ist.

Einen Menschen mit viel Vata erkennt man an

  • Leichtem, zierlichem oder hochgewachsenem Körperbau
  • Neigung zu trockener Haut
  • Schneller Auffassungsgabe
  • Schlechtem Gedächtnis und Konzentrationsschwäche
  • Neigung zu Angst, Nervosität, Sorgen und Unruhe
  • Einschlafproblemen und Neigung zu leichtem, unterbrochenem Schlaf
  • Unregelmäßigem Appetit
  • Stuhlgangproblemen
  • Abneigung gegen Wind und Kälte

Vata wird ausgeglichen durch

  • Wohlbefinden durch schöne Musik, Düfte, Blumen
  • Regelmäßigkeit (Tagesroutine, Essenszeiten)
  • Regelmäßige Entspannung und genügend Schlaf
  • Bei kaltem, windigem Wetter den Körper warm halten
  • Warme, nährende und nicht zu trockene Speisen
  • Die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig
  • Warme Ölmassagen

Vata wird erhöht durch

  • Stress, Überanstrengung, Zeitdruck
  • Unregelmäßige Tagesroutine und Essenszeiten
  • Viele Sinneseindrücke (Fernsehen, Kino, laute Musik etc.)
  • Zu spätes Ins-Bett-Gehen
  • Zuviel rohe, kalte, trockene und leichte Nahrung
  • Kaffee, Schwarztee, Zigaretten, kohlensäurehaltige Getränke
  • blähendes Gemüse
  • Lange Fahrten und Reisen

Einen Menschen mit viel Pitta erkennt man an

  • Mittelschwerem Körperbau
  • Blondem bis rötlichem, früh grauem oder kahlem Haar
  • Hautirritationen
  • Zorn, Gereiztheit in Stresssituationen
  • Starkem Appetit
  • Abneigung gegen Hitze

Pitta wird ausgeglichen durch

  • Mäßigung (nicht überarbeiten)
  • Genügend Ruhe und Freizeit
  • Sport in Maßen (nicht überanstrengen), z. B. Schwimmen und Wandern
  • Vermeiden von Hitze und scharfen Gewürzen
  • Die Geschmacksrichtungen süß, bitter und adstringierend
  • 1 Teelöffel Ghee (Butterfett) zu den Mahlzeiten

Pitta wird erhöht durch

  • Ärger, Maßlosigkeit
  • Übermäßige geistige oder körperliche Aktivität
  • extrem heiße, scharfe, saure und salzige Speisen
  • Alkohol, Tabak, Schwarztee, Kaffee, Knoblauch
  • Laute, aggressive Musik
  • Hitze, zuviel direkte Sonne

Eine Menschen mit viel Kapha erkennt man an

  • Schwerem Körperbau
  • Fettigem Haar und fettiger Haut
  • Langsamer Rede
  • Trägheit, Gemütlichkeit
  • Langem und tiefem Schlaf
  • Langsamer Verdauung und Stoffwechsel
  • Abneigung gegen nasskalte Witterung

Kapha wird ausgeglichen durch

  • Körperliche und geistige Aktivität
  • Frühes Aufstehen
  • Warme, leichte und trockene Speisen
  • Die Geschmacksrichtungen scharf, adstringierend und bitter
  • Entschlacken im Frühjahr
  • Trockenmassage mit Seidenhandschuhen (Garshan)

Kapha wird erhöht durch

  • Schlafen während des Tages
  • Zu wenig körperliche und geistige Aktivität
  • Zu viel schwere, fette und kalte Speisen
  • Zwischenmahlzeiten
  • Die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig