Ayurveda und Ernährung

Die ayurvedische Ernährungslehre unterscheidet sich von den modernen Ernährungskonzepten darin, daß die Betonung auf der Verwertung einer biologisch hochwertigen Nahrung liegt. Wichtig ist nicht nur was man ißt, sondern vor allem, was der Körper daraus macht.

Der Schlüssel zu einem langen Leben in natürlicher Gesundheit liegt in der vollständigen Resorption der dem Körper zugeführten Nährstoffe, sowie der Ausscheidung von Schlacken und Abfallprodukten, die bei dem Stoffwechselvorgang entstehen.

Viele der heute weitverbreiteten Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Kreislaufprobleme, Rheuma, Allergien, Übergewicht, Osteoporose, Unfruchtbarkeit sind direkt durch einen unzureichenden Zellstoffwechsel beeinflußt.

Das Stoffwechselprinzip des Ayurveda

Der Ayurveda beschreibt die schrittweise Verwertung der Nahrung als Dhatu-Transformation, bei der die Nährstoffe in Energie oder Körpersubstanz verwandelt werden, um die Zellen zu nähren, zu erhalten und zu regenerieren. Die Nährstoffe gelangen aus dem Nahrungsbrei durch die Darmwand in die Blutbahn und bilden hier die erste Dhatu-Ebene: Rasadhatu oder Plasma.

Nachfolgend werden die Nährstoffe in Rakta (Blut), Mamsa (Muskeln), Medas (Fett), Asthi (Knochen), Majji (Knochenmark), Shukra (Ei-, Samenzelle) verwandelt. Die komplette Assimilation der Nährstoffe durch alle 7 Gewebeschichten dauert ca. 40 Tage, d.h. ca. 5-6 Tage pro Dhatu.

Ojas (Immunität)

Das Endprodukt eines vollständigen Stoffwechselvorganges wird Ojas genannt, eine Substanz aus dem Grenzbereich zwischen Bewußtsein und Materie. Ojas kann als “Immunität” übersetzt werden. Ojas gibt dem Körper Strahlkraft, eine attraktive Erscheinung, und dem Geist die Erfahrung von Glücklichsein.

Agni, das Feuer, das alles lenkt

Das Agni oder Verdauungsfeuer steuert den Vorgang der Verdauung und Verstoffwechselung. Dieses Verdauungsfeuer regelt im Magen-Darmbereich die Aufbereitung des Nahrungsbreis und sorgt auf jeder Dhatu-Ebene für die perfekte Verarbeitung und Weitergabe der Nährstoffe an die nächste Dhatu-Ebene. Jede Gewebeschicht hat ihr eigenes Verdauungsfeuer. Eine Störung des Agni auf irgendeiner Ebene blockiert den gesamten Assimilationsvorgang und verhindert, daß die Nährstoffe an die nächstfolgenden Gewebe weitergegeben werden.

Im Charaka Samhita, der klassischen Textsammlung des AyurVeda, wird die Bedeutung von Agni immer wieder betont:

“Lebensdauer, Ausstrahlung, Stärke, Gesundheit, Immunität, Energie, Wärmeprozesse und der Lebensatem – all das hängt vom Verdauungsfeuer ab. Man stirbt, wenn dieses Feuer erlischt, man lebt frei von Störungen, wenn es seine Aufgabe richtig erfüllt, und wird krank, wenn es geschwächt ist, denn Agni liegt all diesem zugrunde.”

Ama – krank durch Schlacken

Was geschieht mit der Nahrung, und sei sie noch so hochwertig und vollwertig, wenn sie nicht richtig verstoffwechselt wird? Der AyurVeda bezeichnet das Produkt eines solchen Stoffwechsels als Ama oder Schlacke. Ama setzt sich in den Zellzwischenräumen (Shrotas) ab, blockiert die Zellatmung und behindert in Folge die weiteren Stoffwechselvorgänge. Ama wird als die Hauptursache für Krankheit und Alterung bezeichnet.

Bei den Menschen in den westlichen Industrienationen ist häufig ein gestörtes Agni zu finden. Ursachen sind nicht nur fehlerhafte Ernährung, sondern auch Streß und negative Emotionen.

Die Ernährungskrise

Auf die Unterversorgung der tieferen Dhatuschichten reagiert der Körper mit einem Heißhunger nach Süßem. Der Körper fordert Zucker an, um das Gewebe mit schneller Energie zu versorgen. Die Mehrzahl der gebräuchlichen Zuckerarten – insbesondere der aus Zuckerrüben hergestellte Industriezucker, aber auch scheinbar gesündere Arten wie Rohrohrzucker – wirken stark säurebildend. Säure ist Ama pur. Sie stört das Agni auf allen Ebenen und unterbricht den Stoffwechsel. Dies führt zu einer weiteren Unterversorgung der Gewebeschichten und zu noch mehr Hunger nach Süßem – ein Teufelskreis.

Die Folgen der Unterversorgung sind eine Vielzahl von Zivilisationskrankheiten, insbesondere auch Allergien, Hautkrankheiten, sowie innere Unruhe, Konzentrationsmängel, Aggressionen, etc.

Empfehlungen zur Ernährung

Auch im Ayurveda gilt: Der Mensch ist, was er isst. Die wichtigsten Regeln sind in folgenden 16 Punkten zusammengefasst:

  1. Essen Sie nur, wenn Sie wirklich Hunger verspüren und erst, wenn die vorhergehende Mahlzeit vollständig verdaut ist (ca. 3-6 Stunden nach einer Hauptmahlzeit).
  2. Essen Sie in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre.
  3. Überessen Sie sich nicht. Der Magen sollte nach dem Essen nur zu etwa 3/4 voll sein.
  4. Gönnen Sie es sich, nach dem Essen noch 5-10 Minuten sitzen zu bleiben.
  5. Das Mittagessen sollte die Hauptmahlzeit sein, Frühstück und Abendessen sollten leicht sein. Nehmen Sie das Abendessen nicht zu spät ein.
  6. Vermeiden Sie abends schwere Nahrungsmittel wie z. B. Fleisch, Wurst, Fisch, Joghurt, Käse, Buttermilch und Quark.
  7. Essen Sie immer ungefähr zu den gleichen Tageszeiten.
  8. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Zwischenmahlzeiten. Trinken Sie stattdessen lieber heißes Wasser oder Fruchtsäfte. Essen Sie bei Bedarf reifes, süßes Obst.
  9. Das Essen sollte frisch zubereitet, wohlschmeckend und bekömmlich sein. Vermeiden Sie aufgewärmte oder abgestandene Speisen.
  10. Der größte Teil der Nahrung sollte gekocht sein, da der Körper gekochte Nahrung leichter aufnehmen kann. Rohkost nur als Beilage (z. B. Salat) essen.
  11. Benutzen Sie Gewürze, denn Gewürze machen das Essen nicht nur schmackhaft, sondern unterstützen auch den Verdauungsvorgang.
  12. Lassen Sie alle sechs Geschmacksrichtungen in eine Mahlzeit einfließen: Süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb; denn auch die Geschmacksrichtungen haben einen Einfluss auf das feine innere Gleichgewicht.
  13. Vermeiden Sie eiskalte Getränke, da sie die Verdauungskraft schwächen.
  14. Milch sollte nicht zusammen mit den Mahlzeiten getrunken werden. Sie lässt sich jedoch gut mit Toast, Getreideprodukten und süß schmeckenden Nahrungsmitteln kombinieren.
  15. Honig sollte nicht erhitzt und nicht zum Kochen oder Backen verwendet werden, denn erhitzter Honig erzeugt Ama (Stoffwechselschlacken).
  16. Nehmen Sie nach Bedarf die entsprechenden Nahrungsergänzungen zu sich.

Dies sind einige wenige Tipps, die unser Wohlbefinden verbessern, Heilungsvorgänge im Körper unterstützen und insbesondere vorbeugend wirken. Jeder kann den reichen Erfahrungsschatz dieser uralten Gesundheitslehre auf seine Weise nutzen und sich mit Hilfe des Ayurveda an einem gesunden Leben erfreuen.